Samstag, 8. März 2014

Irgendwer irgendwann

Ihr Blick quoll über voll geheucheltem Mitleid.
Es riecht nach kalter Selbstsicherheit.
Mir wird schlecht.
Sie sagt was.
Wahrscheinlich, dass es ihr leid tut.
Ihre Lippen formen noch mehr Worte.
Die ich nicht verstehe.
Die ich nicht verstehen will.
Diese perfekt rot geschminkten Lippen.
Passend zu den High-Heels.
Mit denen sie einen Schritt auf mich zu macht.
Eine Hand von der Mappe, die sie vor ihren Bauch hält, nimmt.
Mich am Arm fasst.
Man könnte es von Außen als eine tröstende Berührung empfinden.
Doch mir bohren sich ihre Nägel in mein Fleisch.
Da reiße ich mich von ihr los.
Meine Haare fliegen ihr ins Gesicht.
Ich schreie sie an.
Sage alles was ich ihr schon immer hätte sagen sollen.
Sie steht da versucht sich in Ausflüchten.
Doch ich sehe, wie sie immer kleiner wird unter meinem Mut.
Ich spucke vor ihr auf den Boden.
Drehe mich schwungvoll um.
Knalle die Tür hinter mir zu.
In der Halle applaudieren mir die Anderen.
Der Tomatenmund lächelt mich unentwegt an.
Ich schlüpfe aus der Tür.
Irgendwann wird Irgendwer das machen.
Jemand, der mutig ist.
Jemand, der sich nicht von perfekt geschminkten Lippen fürchtet.
Ich werde ihm Blumen schicken.




Sonntag, 16. Februar 2014

Meinungslos

Wie zwei Habichte gehen sie auf mich los.
Sie schnattern wie wilde Gänse.
Ich weiche leicht mit einem halben Schritt zurück.
Auch meine Gedanken weichen.
War das meine Meinung?
Oder ihre?
Ich höre nur noch was sie denken.
Ich kann meine eigenen Gedanken nicht mehr hören.
Wie stand ich dazu?
Was wollte ich sagen?
Ich bin die Maus.
Sie erspähen.
Sie stürzen.
Sie töten.
Meine Meinung.
Zum Glück nicht mich.
Aber bin ich die Selbe mit einer verlorenen Meinung?

Mittwoch, 5. Februar 2014

Das Seidentuch


Ich stehe am Abgrund. Die Sonne scheint war auf mich. Die Kiesel die von meinen Fußspitzen weggeschoben werden, fallen nach unten in die Kälte. Der Wind zieht an mir, an meiner Jacke, an meinen Haaren, an meinem Schal. Es ist als wollte er mich in die Tiefe locken. Doch ich halte stand. Alles hält stand. Nur mein Seidentuch nicht. Es löst sich, schwebt einen Augenschlag vor mir, und sinkt dann, mit dem Wind tanzend in die Tiefe. Noch glitzert es bunt, mit der Sonne spielend, doch je weiter es in die Dunkelheit der Schlucht gerät, verliert es an glanz und Farbe. Erst nur noch rot, dann lila, vielleicht dunkel blau, dann schwarz. Der Wind stupst es noch einmal an. Es sieht so aus, also ob es mir winken wolle, dann verschluckt es die Schwärze.
Wäre es nicht schön, wenn dort unten, versteckt von der Dunkelheit, jemand stehen würde und mir mein Tuch zurück pusten würde? Damit ich sehen kann wie es wieder bunt wird, damit ich weiß, dass es nicht verloren ist?



Sonntag, 2. Februar 2014

Kurzgedichte


Sie eilten.

Sie sahen.

Den leeren Stuhl.

Den Vorhang im Wind.

Der Wind,

von der Sonne getränkt,

und doch so kalt.

Wie der Stuhl,

so kalt.

Weg.

Für immer.







Sie war so schön.

Die Lippen wie Rosen,

die Augen wie das Meer.

Sie lächelte.

Aber nicht für ihn.

Für das Bild,

das er malte.

Nur für ein schnödes Bild aus Farbe und Leinwand.

Nicht für ihn.

Doch er träumte,

dass das Lächeln für ihn sei.

Nur, für ihn.

Aber er wusste.

Es war weit weg.

Weit weg von ihm.

Warum?







Tränen.

Überall.

Weg.

Weit weg.

Er.

Er.

Weit weg.

Irgendwo.

Überall.

Tränen.

Erinnerungen


Dass die Zeit alle Wunden heilt, stimmt wirklich. Komisch oder? Manchmal denk man sich bei Sachen, wenn man soetwas vergisst ist man echt ein sehr schwacher kalter Mensch, aber ein paar Jahre später muss man daran erinnert werden, dass es überhaupt passiert ist. Unser Gedächtnis ist löchrig und unverlässlich, manchmal gut, und manchmal schlecht. Manche könnten mit ihrem Gesehen nicht leben, gäbe es nicht, diese Löcher in unserem Hirn, wo alles nach und nach hindurchläuft wie durch ein Sieb, doch dann gibt es natürlich auch die schönen und arg emotionalen Sachen, die ich mir nie hätte erträumen lassen, dass ich sie mal vergessen werden. Und dann ein paar Jahre und Fotos später: Ach ja, war das schön! Echt?? Lieber Gott, ist es dass was du uns damit sagen möchtests. Alles vergeht, auch die Gedanken, die doch eigentlich unsterblich sein sollten!? Verdammt, man lässt das Leben so an sich vorbei ziehen und wenn man dann wirklich was „Unvergessliches“ erlebt hat, vergisst man es ein paar Jahre und Cocktails wieder. So läuft das Leben?!

Wir wir und die Stadt




Wir zwei in der Nacht, in der Stadt. Die Straße vor uns ist leer. Die Lichter der Neon Namen, der Schaufenster, Laternen und Kneipen zeigen uns den Weg. Deine Hand in meiner. Meine Hand in Deiner. Wir und die Stadt. Rechts geht die Tür eines Pubs auf. Sie schleudert uns Gelächter und Wärme entgegen. Zwei Typen torkeln auf den Asphalt. Sie die Stadt und wir wir. Gehen weiter. Einfach so ohne Worte, weil wir wir sind. Und die Stadt um uns. Das Klacken meiner Absätze und das Dumpfe Geräusch deiner Schuhe auf dem Teer. Der Wind bläst von Hinten eine Verpackung auf uns zu. Sie die Stadt, wir wir. Setzten uns auf den Gehsteig, ich lehne meinen Kopf an deine Schulter. Und denke, dass uns vom Weltall niemand sieht, vielleicht sieht er nur die Lichter der Stadt, aber trotzdem sind wir wir, und nicht die Stadt?