Mittwoch, 5. Februar 2014

Das Seidentuch


Ich stehe am Abgrund. Die Sonne scheint war auf mich. Die Kiesel die von meinen Fußspitzen weggeschoben werden, fallen nach unten in die Kälte. Der Wind zieht an mir, an meiner Jacke, an meinen Haaren, an meinem Schal. Es ist als wollte er mich in die Tiefe locken. Doch ich halte stand. Alles hält stand. Nur mein Seidentuch nicht. Es löst sich, schwebt einen Augenschlag vor mir, und sinkt dann, mit dem Wind tanzend in die Tiefe. Noch glitzert es bunt, mit der Sonne spielend, doch je weiter es in die Dunkelheit der Schlucht gerät, verliert es an glanz und Farbe. Erst nur noch rot, dann lila, vielleicht dunkel blau, dann schwarz. Der Wind stupst es noch einmal an. Es sieht so aus, also ob es mir winken wolle, dann verschluckt es die Schwärze.
Wäre es nicht schön, wenn dort unten, versteckt von der Dunkelheit, jemand stehen würde und mir mein Tuch zurück pusten würde? Damit ich sehen kann wie es wieder bunt wird, damit ich weiß, dass es nicht verloren ist?



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